Fachgruppe Physiotherapie
Ziele
Die Fachgruppe Physiotherapie des Fachbereichstag Therapiewissenschaften ist ein Zusammenschluss der fachverantwortlichen Professor*innen für Physiotherapie an Hochschulen und Universitäten, die Mitglied im FBTT sind. Sie vertritt die hochschulpolitischen Interessen der Physiotherapie bundesweit und fungiert als zentrale Ansprechpartnerin für hochschul-, gesundheits- und bildungspolitische Akteur*innen in Fragen physiotherapeutischer Studiengänge.
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Die Fachgruppe Physiotherapie möchte mit ihrer Arbeit die Sichtbarkeit der Physiotherapie in politischen und wissenschaftlichen Diskursen stärken, die Qualität in Studium und Lehre verbessern, zur Weiterentwicklung physiotherapeutischer Studiengänge beitragen und so durchgängige Karrierewege in der Physiotherapie und ihrer Wissenschaft sicherstellen.
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Die Fachgruppe erarbeitet hierzu Positionspapiere und Stellungnahmen zu relevanten Fragestellungen der Physiotherapiewissenschaft und der akademischen Qualifizierung und engagiert sich in der Entwicklung konsentierter Standards für physiotherapeutische Curricula, kompetenzorientierte Qualifikationsziele sowie Evaluationsstandards. Dabei werden Aspekte der Digitalisierung in Lehre und Therapie und von Nachhaltigkeit in der Physiotherapie ebenso wie die hochschulische Organisation der praktischen Ausbildung in besonderer Weise berücksichtigt.
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Zugleich versteht sie sich als Plattform für einen fachlichen, hochschulübergreifenden Austausch zur
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Reflexion und Weiterentwicklung des physiotherapeutischen Berufsverständnisses,
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Diskussion aktueller wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und versorgungsrelevanter Fragestellungen,
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Vernetzung von Praxis, Lehre, Forschung und Berufspolitik,
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Stärkung der Rolle der Physiotherapie innerhalb eines umfassenden Gesundheitsverständnisses.
Die Fachgruppe fördert die wissenschaftliche Fundierung physiotherapeutischer Praxis und Lehre in Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Auf dieser Grundlage trägt die Fachgruppe Physiotherapie zur Entwicklung eines modernen und wissenschaftlich fundierten Profils der Profession Physiotherapie bei, das den aktuellen und zukünftigen Anforderungen des Gesundheitswesens gerecht wird und international anschlussfähig ist.
Verständnis von Physiotherapie
Der Fachbereichstag Therapiewissenschaften versteht Physiotherapie in Anlehnung an die internationale Beschreibung von World Physiotherapy (2023) als eine eigenständige, wissenschaftlich fundierte und ethisch verantwortete Gesundheitsprofession, die darauf ausgerichtet ist, die Bewegungsfähigkeit und funktionelle Teilhabe von Menschen und Bevölkerungsgruppen über die gesamte Lebensspanne hinweg zu erhalten, zu fördern oder wiederherzustellen.
Physiotherapie wird dabei als wichtiger Bestandteil von Gesundheits-, Sozial- und Versorgungssystemen verstanden und leistet einen wesentlichen Beitrag in einem sehr breiten Spektrum der Gesundheitsversorgung (u.a. der Gesundheitsförderung, Prävention, Behandlung/Intervention, Rehabilitation sowie palliativer Versorgung). Ausgangspunkt physiotherapeutischen Handelns ist das Verständnis, dass Bewegung eine grundlegende Voraussetzung für Gesundheit, Wohlbefinden, Teilhabe und Lebensqualität darstellt (World Physiotherapy, 2023).
In Übereinstimmung mit der WHO-Definition von Gesundheit wird Gesundheit nicht ausschließlich als Abwesenheit von Krankheit verstanden, sondern als ein Zustand vollständigen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens (WHO, 2026: Constitution of the World Health Organization). Physiotherapie trägt zu diesem umfassenden Gesundheitsverständnis bei, indem sie nicht nur auf strukturelle oder funktionelle Beeinträchtigungen abzielt, sondern auch psychologische, emotionale, soziale und umweltbedingte Dimensionen berücksichtigt.
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Das Verständnis von Physiotherapie des FBTT orientiert sich am bio-psycho-sozialen Modell von Gesundheit sowie an der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) der WHO als Grundlage für eine interprofessionelle Perspektive auf Gesundheitsversorgung. Physiotherapie versteht sich somit als Profession, die Bewegung, Funktion und Teilhabe in ihrem wechselseitigen Zusammenhang analysiert, fördert und nachhaltig entwickelt (World Physiotherapy, 2023).
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Dieses Verständnis wird durch das Qualifikationsprofil für hochschulisch qualifizierte Physiotherapeut*innen des FBTT konkretisiert (Saal et al., 2025). Physiotherapie wird darin als Profession verstanden, die in vernetzten Strukturen der Gesundheitsversorgung agiert und eine wissenschaftlich fundierte, evidenzbasierte und personzentrierte Praxis voraussetzt. Das Qualifikationsprofil umfasst fünf zentrale Domänen physiotherapeutischen Handelns – Professionalität, Wissenschaft und Forschung, Praktisches Handeln, Management und Leadership sowie Lernen und Entwicklung – und verdeutlicht, dass physiotherapeutische Kompetenz über die unmittelbare Patient*innenversorgung hinausgeht und auch Verantwortung für Qualitätsentwicklung, interprofessionelle Zusammenarbeit, Organisationsentwicklung und lebenslanges Lernen einschließt.
Hochschulisch qualifizierte Physiotherapeut*innen sind akademisch qualifizierte Fachpersonen und befähigt,
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eigenständig Untersuchungen und Assessments durchzuführen,
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physiotherapeutische Diagnosen, Prognosen und Behandlungspläne zu formulieren,
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evidenzbasierte Interventionen umzusetzen,
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Behandlungsergebnisse zu evaluieren und anzupassen,
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sowie Menschen und Gruppen zur Selbststeuerung und zum Selbstmanagement zu befähigen.
Physiotherapeutisches Handeln erfolgt dabei stets in Interaktion mit Patient*innen, Klient*innen, Angehörigen, anderen Gesundheitsberufen sowie gesellschaftlichen Akteur*innen und schließt interprofessionelle Zusammenarbeit ausdrücklich ein.
Der FBTT versteht Physiotherapie nicht ausschließlich als patient*innennahe Versorgung, sondern auch als Profession mit Verantwortung in:
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Gesundheitsförderung, Prävention und Public Health,
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Bildung und Lehre,
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Forschung und evidenzbasierter Weiterentwicklung der Praxis,
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Organisations- und Versorgungsentwicklung
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sowie gesundheitspolitischer Mitgestaltung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.
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Fachgruppensprecherinnen sind Prof. Dr. Susanne Saal von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena (susanne.saal@eah-jena.de) und Prof. Dr. Marion Grafe von der Fachhochschule Münster (marion.grafe@fh-muenster.de).
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Kontakt
Sprecherinnen: Susanne Saal und Marion Grafe
